Zum Inhalt springen

Mechanische Festigkeit

Mechanische Festigkeit von Pellets

Pellets legen einen langen Weg zurück: von der Presse in den Sack oder das Silofahrzeug, durch Lager und Transport bis in die Förderschnecke des Kessels. Die mechanische Festigkeit zeigt, wie viel davon sie überstehen, ohne zu Staub zu zerfallen.

Aktualisiert:
Auf dieser Seite

Was ist mechanische Festigkeit?

Die mechanische Festigkeit (Widerstandsfähigkeit der Pellets gegen Abrieb und Bruch unter mechanischer Belastung – angegeben als Prozentsatz der Masse, der nach einem genormten Test unversehrt bleibt.) (engl. mechanical durability) beschreibt, wie gut Pellets Stöße, Reibung und Umfüllen überstehen. Das Ergebnis wird in Massenprozent angegeben: welcher Anteil der Probe nach einem genormten Test als ganze Pellets erhalten bleibt. Bei ENplus bezieht sich die Anforderung auf den Anlieferungszustand; das Prüfverfahren legt die Norm ISO 17831-1 fest[1],[18].

Diesen Parameter spürt der Käufer unmittelbar, auch wenn er selten an ihn denkt. Geringe Festigkeit bedeutet Staub im Sack, eine verstopfte Förderschnecke und ungleichmäßige Verbrennung – selbst wenn Asche und Heizwert einwandfrei sind.

Warum Pellets zerbröseln

Zusammengehalten wird ein Pellet vor allem durch Lignin (Natürliches Polymer des Holzes, das bei der Presstemperatur erweicht und nach dem Abkühlen die Partikel verbindet.), das bei hoher Temperatur und hohem Druck in der Matrize der Presse plastisch wird. Ob die Bindung fest wird, hängt von vielen Faktoren gleichzeitig ab:

  • vom Rohstoff – Holzart, Rindenanteil, Zerkleinerungsgrad und Verunreinigungen;
  • vom Wassergehalt des Rohstoffs vor dem Pressen – zu trockenes Material bindet schlecht, zu nasses ergibt Pellets, die beim Trocknen reißen;
  • von den Pressparametern – Zustand der Matrize, ihre Geometrie und Betriebstemperatur;
  • von Kühlung und Lagerung – das Pellet härtet erst nach dem Abkühlen aus und verliert später seinen Zusammenhalt, wenn es feucht wird.

Der Hersteller kann auch eine geringe Menge eines Bindemittels land- oder forstwirtschaftlichen Ursprungs einsetzen, z. B. Stärke. ENplus begrenzt den Gesamtanteil von Zusatzstoffen auf 2,0 Massenprozent[1]. Mehr zum Zusammenhalt der Pellets lesen Sie im Artikel Härte der Pellets.

Schema eines guten und eines schlechten PelletsLinks ein Pellet mit glatter, leicht glänzender Oberfläche und sauberen Enden. Rechts ein mattes Pellet mit Querrissen, ausgefranstem Ende und Feinanteil darunter.Gutes Pelletglatte, dichteOberflächesauberabgebrochenes Endeeinheitliche Farbe und Durchmesserwenig Feinanteil im SackSchlechtes PelletRissequer zur AchseausgefranstesEndeungleiche Länge, matte OberflächeStaub und Bruch am SackbodenSchematische Darstellung – eine Sichtprüfung ersetzt keine Analyse
Schema: links Pellets mit glatter Oberfläche und gleichmäßigen Enden, rechts Pellets mit Querrissen und Staub. Das Aussehen gibt einen Hinweis, ersetzt aber keine Laboranalyse.

Bedeutung für Transport und Heizraum

Jeder Umgang mit Pellets ist eine mechanische Belastung: Abfüllen in den Sack oder auf den Lkw, Stapeln der Paletten, Erschütterungen beim Transport, Umschlag und bei loser Ware das pneumatische Einblasen ins Lager. Am Ende kommt noch die Förderschnecke. Pellets mit geringer Festigkeit werden auf jeder dieser Stufen abgerieben, und das abgebröckelte Material landet im Vorratsbehälter als Feinanteil.

Deshalb misst ENplus die Festigkeit bei der Beladung des Transportmittels im Werk[1] – also bevor die Pellets den größten Teil ihres Weges zum Kunden zurückgelegt haben. Ein hohes Ergebnis an dieser Stelle schafft Reserven für Verluste in der weiteren Lieferkette.

So wird die Festigkeit geprüft (ISO 17831-1)

Das Verfahren beschreibt die Norm ISO 17831-1, deren aktuelle Ausgabe aus dem Jahr 2025 stammt[18]. Das Prüfprinzip ist einfach:

  1. Aus der Probe wird der Feinanteil abgesiebt, sodass nur ganze Pellets in den Test gelangen.
  2. Eine abgewogene Menge Pellets wird in einem rotierenden Gerät einer kontrollierten mechanischen Belastung ausgesetzt; dabei werden die Pellets umgewälzt und stoßen aneinander und gegen die Wände.
  3. Nach dem Test wird die Probe erneut gesiebt und der Siebrückstand gewogen.
  4. Die Festigkeit ist die Masse der nach dem Test verbliebenen Pellets in Prozent der Masse vor dem Test.

Die genauen Prüfbedingungen – Gerätetyp, Dauer, Zahl der Umdrehungen und Siebe – legt die Norm fest. Ergebnisse verschiedener Labore sind nur vergleichbar, wenn sie nach demselben Verfahren ermittelt wurden; deshalb sollten Norm und Ausgabe im Prüfbericht genannt sein. Ein Ergebnis von 98,0 % bedeutet, dass im Test höchstens 2,0 % der Probenmasse abgerieben wurden.

Anforderungen: ENplus, ISO und Verordnung

Mindestwerte der mechanischen Festigkeit (Massenprozent, Anlieferungszustand)
KlasseENplusDz.U. 2025 poz. 618ISO 17225-2 (FDIS)
A1≥ 98,0 (6 und 8 mm)≥ 98,00≥ 98,0 (D06), ≥ 97,5 (D08)
A2≥ 97,5≥ 97,50≥ 97,5
B≥ 97,5—≥ 96,5

Quellen: ENplus ST 1001:2022 (2. Ausgabe), Tabelle 4[1]; Dz.U. 2025 poz. 618[36]; ISO 17225-2 – Werte aus dem FDIS-Entwurf[12]. D06 und D08 bezeichnen die Durchmesser 6 und 8 mm.

ENplus ist hier an zwei Stellen strenger als die Norm. In Klasse A1 verlangt ENplus mindestens 98,0 % für beide Durchmesser, während der ISO-Entwurf für 8-mm-Pellets 97,5 % zulässt. In Klasse B verlangt ENplus 97,5 %, der ISO-Entwurf 96,5 %[1],[12]Daten noch zu verifizieren: Die ISO-Werte stammen aus dem FDIS-Entwurf der 17225-2 und sind in der veröffentlichten Norm ISO 17225-2:2021 noch zu bestätigen.. Ein Unterschied von 0,5–1 Prozentpunkt wirkt gering, bedeutet aber deutlich mehr zulässigen Abrieb im Test: 2,5 % statt 2,0 % bei A1-Pellets mit 8 mm und 3,5 % statt 2,5 % bei Klasse B.

Was eine Studie zum polnischen Markt zeigt

In einer begutachteten Studie aus dem Jahr 2024 wurden 30 Proben von Pellets untersucht, die in Polen für den Hausgebrauch verkauft werden. 10 von 30 Proben erfüllten die Anforderungen an die mechanische Festigkeit und/oder den Feinanteil nicht. Die Autoren stellten außerdem fest, dass die Herstellerangaben häufig von den Messwerten abwichen[47].

Das heißt nicht, dass jedes dritte Pelletprodukt auf dem Markt schlecht ist – die Stichprobe war klein. Es zeigt aber, dass sich die Festigkeit nicht aus der Beschreibung auf dem Sack ableiten lässt. Die Autoren zitieren zudem Daten, wonach 2022 nur rund 30 % der polnischen Holzpelletproduktion ENplus-zertifiziert waren[47].

Häufige Fragen

Was bedeutet eine mechanische Festigkeit von 98 %?

Dass im genormten Belastungstest mindestens 98 % der Probenmasse als ganze Pellets erhalten blieben und höchstens 2 % als Feinanteil abgerieben wurden. Das ist die Mindestanforderung der Klasse ENplus A1.

Haben Pellets mit hoher Festigkeit keinen Staub im Sack?

Weniger, aber Staub kann auch später entstehen – beim Umschlag, beim Transport und beim Einblasen ins Lager. Die Festigkeit zeigt, wie anfällig die Pellets für Abrieb und Bruch sind; der Feinanteil zeigt, wie viel Staub zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Lieferung ist.

Lässt sich die Festigkeit ohne Labor beurteilen?

Nur grob. Eine glatte, leicht glänzende Oberfläche, keine Querrisse und wenig Staub am Sackboden sind gute Zeichen, ersetzen aber kein Prüfergebnis nach ISO 17831-1.

  1. [1]

    ENplus® ST 1001:2022 — ENplus® wood pellets – Requirements for companies (2. Ausgabe) (öffnet in einem neuen Tab)

    European Pellet Council / Bioenergy Europe, DEPIgenehmigt am 18.06.2025, gültig ab 01.01.2026Zertifizierungssystemabgerufen am 11.9.2026

    Anhang A, Tabelle 4 (Grenzwerte) und Tabelle 5 (Rohstoffe). Die Grenzwerte sind identisch mit der 1. Ausgabe; geändert wurde die Methode zur Bestimmung des Feinanteils (jetzt ISO 5370).

  2. [12]

    ISO/FDIS 17225-2 — endgültiger Normentwurf (von AIEL bereitgestellter Text) (öffnet in einem neuen Tab)

    ISO / AIEL2020Norm noch zu verifizierenabgerufen am 11.9.2026

    Werte aus dem FDIS-Entwurf; vor der Veröffentlichung exakter ISO-Werte sind diese in einem erworbenen Exemplar der Norm zu bestätigen.

  3. [18]
  4. [36]

    Rozporządzenie Ministra Klimatu i Środowiska z dnia 8 maja 2025 r. w sprawie wymagań jakościowych dla biomasy pozyskanej z drzew i krzewów… w postaci brykietu lub peletu (Dz.U. 2025 poz. 618) (öffnet in einem neuen Tab)

    Minister Klimatu i Środowiskain Kraft seit 24.05.2025Rechtsaktabgerufen am 11.9.2026

    Gilt für Pellets und Briketts für Privathaushalte und Anlagen unter 1 MW.

  5. [47]

    Drobniak A. u. a., Quality assessment of biomass pellets available on the market; example from Poland (öffnet in einem neuen Tab)

    Environmental Science and Pollution Research 31:33942–339592024Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026

    30 Pelletproben vom polnischen Markt; 10 erfüllten die Anforderungen an Festigkeit und/oder Feinanteil nicht.

Die Inhalte sind eine redaktionelle Aufbereitung der genannten Dokumente. Grenzwerte sollten Sie stets anhand der aktuellen Ausgabe der Norm bzw. des Dokuments des Zertifizierungssystems bestätigen.

Weiterlesen