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Rohstoff
Rohstoff für die Pelletherstellung
Pellets sind so gut wie das Holz, aus dem sie entstehen. Die Normen legen keine Holzart fest, beschreiben aber sehr genau, aus welchem Teil des Baums und aus welcher Quelle der Rohstoff einer Klasse stammen darf.
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Welches Holz in die Pelletpresse kommt
Der typische Rohstoff für Heizpellets ist Holz, das in einem anderen Betrieb als Nebenprodukt anfällt. Sägespäne aus der Sägewerkssäge, Hobelspäne aus der Hobelmaschine, Verschnitt und Hackschnitzel aus der Schnittholzverarbeitung sind ein homogenes, bereits zerkleinertes und – sofern das Holz vorher entrindet wurde – sehr sauberes Material. Die zweite Quelle ist Stammholz, das eigens für die Pelletproduktion zerkleinert wird.
Warum ist das wichtig? Weil sich die Teile eines Baums in ihrer mineralischen Zusammensetzung unterscheiden. Finnische VTT-Daten zeigen, dass der mittlere Aschegehalt im Stammholz von Birke, Kiefer, Fichte und Espe bei 0,46 % liegt, in der Rinde dieser Baumarten bei 2,97 % (wasserfrei). Äste mit Rinde kommen im Mittel auf 1,52 %, Blätter auf 4,97 %[44]. Entrindetes Kiefernsägemehl enthielt in diesen Untersuchungen nur 0,08 % Asche[44]. Je mehr Rinde, Äste und Nadeln im Rohstoff, desto mehr Asche in den Pellets.
| Baumteil / Rohstoff | Asche, % wf | Datenquelle |
|---|---|---|
| Stammholz (Mittel aus 4 Baumarten) | 0,46 | VTT |
| Nadel- und Laubholz (typisch) | 0,3 (0,2–0,5) | FAO |
| Äste mit Rinde | 1,52 | VTT |
| Waldrestholz von Nadelbäumen | 2 (1–4) | FAO |
| Rinde (Mittel aus 4 Baumarten) | 2,97 | VTT |
| Blätter | 4,97 | VTT |
Richtwerte aus der Literatur, keine Analyseergebnisse bestimmter Pellets. VTT-Daten: Mittelwerte für Birke, Kiefer, Fichte und Espe[44]. FAO-Daten: typische Werte nach CEN/TS 14961:2010, der Vorgängerin der ISO 17225-1[45].
Rohstoffklassifizierung nach ISO 17225-1
Die Norm ISO 17225-1 ordnet die Herkunft fester Biobrennstoffe in einer Code-Hierarchie. Alle für Holzpellets relevanten Codes beginnen mit 1 – das steht für holzartige Biomasse –, die weiteren Ziffern geben Quelle und Baumteil an[13]. Am häufigsten begegnen Ihnen folgende Gruppen:
- 1.1 – Holz aus Wald, Plantagen und anderes naturbelassenes Holz, darunter u. a. 1.1.1 ganze Bäume ohne Wurzeln, 1.1.3 Stammholz und 1.1.4 Waldrestholz (Äste, Wipfel);
- 1.2.1 – chemisch unbehandelte Nebenprodukte und Reststoffe der Holzindustrie, also Säge- und Hobelspäne sowie Verschnitt aus Sägewerken und Tischlereien;
- 1.3.1 – chemisch unbehandeltes Gebrauchtholz, also bereits genutztes Holz, das keiner chemischen Behandlung unterzogen wurde.
Der Code beschreibt die Herkunft des Rohstoffs, nicht die Holzart. „Stammholz“ kann Kiefer, Buche oder Birke sein – die Norm klassifiziert es gleich. Auf die Unterschiede zwischen den Holzarten gehen wir in den Beiträgen über Nadelholzpellets und Laubholzpellets ein.
Rohstoff und ENplus-Klasse
ENplus ST 1001 ordnet in Tabelle 5 jeder Qualitätsklasse eine Liste zulässiger Rohstoffgruppen nach ISO 17225-1 zu[1]. Je höher die Klasse, desto kleiner die Auswahl – und desto weniger Material aus Rinde, Ästen oder Nadeln.
| Klasse | Zulässige Rohstoffgruppen |
|---|---|
| ENplus A1 | 1.1.3 Stammholz (a)1.2.1 Chemisch unbehandelte Nebenprodukte und Rückstände aus der Holzverarbeitung (b) |
| ENplus A2 | 1.1.1 Ganze Bäume ohne Wurzeln (a)1.1.3 Stammholz (a)1.1.4 Waldrestholz (a)1.2.1 Chemisch unbehandelte Nebenprodukte und Rückstände aus der Holzverarbeitung (b) |
| ENplus B | 1.1 Holz aus Wald, Plantagen und anderes naturbelassenes Holz (a)1.2.1 Chemisch unbehandelte Nebenprodukte und Rückstände aus der Holzverarbeitung (b)1.3.1 Chemisch unbehandeltes Gebrauchtholz (c) |
Quelle: ENplus ST 1001:2022 (2. Ausgabe), Anhang A, Tabelle 5 und Abschnitt A.2[1]. Fußnoten zur Tabelle (redaktionelle Zusammenfassung):(a) Holz, das äußerlich mit einem Insektenschutzmittel behandelt wurde, gilt nicht als chemisch behandelt, sofern alle chemischen Parameter der Pellets innerhalb der Grenzwerte liegen oder die Konzentrationen vernachlässigbar sind.(b) Vernachlässigbare Mengen an Leim, Schmierstoffen und anderen Zusatzstoffen, die bei der Herstellung von Schnittholz und Produkten aus naturbelassenem Holz eingesetzt werden, sind zulässig, sofern die chemischen Parameter der Pellets deutlich innerhalb der Grenzwerte liegen.(c) Abbruchholz ist ausgeschlossen.In allen ENplus-Klassen sind chemisch behandeltes Holz und Abbruchholz (Abweichung von ISO 17225-2) sowie morscher, verunreinigter oder stark rindenhaltiger Rohstoff verboten (Abschnitte A.2.1–A.2.2).
In Klasse A1 ist also kein Platz für ganze Bäume mit Ästen oder für Waldrestholz – gerade diese bringen die meiste Rinde, Nadeln und Blätter mit. Klasse A2 lässt sie zu, hat aber einen weniger strengen Aschegrenzwert (≤ 1,20 % statt ≤ 0,70 %, wasserfrei). Klasse B erlaubt zusätzlich chemisch unbehandeltes Gebrauchtholz, der Aschegrenzwert liegt bei ≤ 2,00 %[1].
Was nicht verwendet werden darf
Beim Rohstoff geht ENplus weiter als die ISO-Norm. ISO 17225-2 lässt in Klasse B chemisch behandelte Nebenprodukte der Holzindustrie und unbehandeltes Gebrauchtholz zu, sofern der Gehalt an Schwermetallen und halogenorganischen Verbindungen die für naturbelassenes Holz typischen Werte nicht übersteigt[11]. ENplus dagegen schließt Abbruchholz und chemisch behandeltes Holz in allen Klassen aus[1].
Unabhängig von der Klasse lässt ENplus außerdem keinen Rohstoff zu, der
- morsch ist – biologischer Abbau verändert die Zusammensetzung des Holzes und verschlechtert seine Eigenschaften;
- verunreinigt ist – z. B. mit Erde, Sand, Steinen, Kunststoffen;
- stark rindenhaltig ist[1].
Fertige Pellets dürfen kein anderes Material als Holz enthalten und keine Holzfasern in anderer Form als Pellets – z. B. Hackschnitzel oder lose Partikel[1].
Zusatzstoffe: was dem Holz beigemischt werden darf
Holzpellets brauchen keinen Leim – die Partikel bindet Lignin (Natürliches Polymer in den Zellwänden des Holzes. Bei der Presstemperatur erweicht es und verbindet nach dem Abkühlen die Partikel.). Der Hersteller darf jedoch Zusatzstoffe (Stoff, der dem Rohstoff zugesetzt wird, um die Pelletierung und die Festigkeit zu verbessern oder die Staubbildung zu verringern. Bei ENplus ausschließlich land- oder forstwirtschaftlichen Ursprungs.) einsetzen, die die Pelletierung erleichtern oder die Festigkeit verbessern. ENplus lässt ausschließlich Zusatzstoffe aus land- und forstwirtschaftlichen Produkten zu – z. B. Stärke, Maismehl, Kartoffelmehl, Pflanzenöl, Lignin aus dem Sulfatverfahren – in einer Gesamtmenge von ≤ 2,0 Massen-% (≤ 1,8 % in der Produktion und ≤ 0,2 % nach der Produktion, z. B. Beschichtungsöle)[1].
Ein Zusatzstoff ist kein Mangel. Es ist aber gut zu wissen, dass der Hersteller einen verwendet – etwa beim Vergleich der Analyseergebnisse mehrerer Chargen oder wenn der Kessel spürbar anders auf neuen Brennstoff reagiert.
Was das für Käufer bedeutet
Die Holzart ist auf einem ENplus-Sack keine Pflichtangabe – verpflichtend sind u. a. Qualitätsklasse, ENplus-ID-Nummer, Durchmesser und Nettogewicht[2]. Deshalb lohnt es sich, direkt nach dem Rohstoff zu fragen:
- Sind Säge- und Hobelspäne aus dem Sägewerk der Rohstoff oder zerkleinertes Rundholz bzw. ganze Bäume?
- Wird das Holz vor der Verarbeitung entrindet?
- Ist die Rohstoffzusammensetzung konstant, oder ändert sie sich von Charge zu Charge?
- Setzt der Hersteller Zusatzstoffe ein, und wenn ja, welche?
Die Antworten ersetzen keine Analyseergebnisse. Der Rohstoff erklärt, warum Pellets einen bestimmten Aschegehalt oder eine bestimmte Ascheschmelztemperatur haben – bestätigen kann diese Werte aber nur eine Messung. Wie man einen Prüfbericht liest, erfahren Sie im Bereich Laboranalysen, worauf man beim Kauf achten sollte, im Ratgeber Pellets richtig auswählen.
Häufige Fragen
Sind Pellets aus Sägespänen schlechter als aus „massivem Holz“?
Nein. Säge- und Hobelspäne aus Sägewerken sind Stammholz, das bei der Bearbeitung zerkleinert wurde. Sind sie sauber und chemisch unbehandelt, gehören sie zu der Rohstoffgruppe, die in der höchsten Klasse ENplus A1 zugelassen ist.
Dürfen Pellets aus Abbruchholz oder lackierten Möbeln hergestellt werden?
Im ENplus-System nicht. Chemisch behandeltes Holz und Abbruchholz sind in allen ENplus-Klassen ausgeschlossen. Klasse B lässt lediglich chemisch unbehandeltes Gebrauchtholz zu. Die Norm ISO 17225-2 ist in diesem Punkt für Klasse B großzügiger.
Quellen und Fußnoten
Vollständige Quellenliste und redaktionelle Grundsätze- [1]
European Pellet Council / Bioenergy Europe, DEPIgenehmigt am 18.06.2025, gültig ab 01.01.2026Zertifizierungssystemabgerufen am 11.9.2026
Anhang A, Tabelle 4 (Grenzwerte) und Tabelle 5 (Rohstoffe). Die Grenzwerte sind identisch mit der 1. Ausgabe; geändert wurde die Methode zur Bestimmung des Feinanteils (jetzt ISO 5370).
- [2]
European Pellet Council / Bioenergy Europe, DEPIgültig ab 01.01.2026Zertifizierungssystemabgerufen am 11.9.2026
Abschnitt 7.2.3, Tabelle 3 – Pflichtangaben auf dem Sack.
- [11]
ISO / TC 2382. Ausgabe, 2021-05Norm kostenpflichtiges Dokumentabgerufen am 11.9.2026
Ausgabe und Umfang der Änderungen wurden anhand der offiziellen Vorschau der Norm bestätigt. Die einzelnen ISO-Werte wurden mit dem FDIS-Entwurf abgeglichen – siehe separate Quelle.
- [13]
ISO / TC 2382021Norm kostenpflichtiges Dokumentabgerufen am 11.9.2026
Klassifizierung der Rohstoffherkunft (z. B. 1.1.3 Stammholz, 1.2.1 Rückstände aus der Holzverarbeitung).
- [44]
VTT Technical Research Centre of Finland2016Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026
- [45]
Krajnc N., Wood Fuels Handbook (öffnet in einem neuen Tab)
FAO2015Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026
Tabelle 10 – typische Werte nach CEN/TS 14961:2010.
- [47]
Environmental Science and Pollution Research 31:33942–339592024Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026
30 Pelletproben vom polnischen Markt; 10 erfüllten die Anforderungen an Festigkeit und/oder Feinanteil nicht.
Die Inhalte sind eine redaktionelle Aufbereitung der genannten Dokumente. Grenzwerte sollten Sie stets anhand der aktuellen Ausgabe der Norm bzw. des Dokuments des Zertifizierungssystems bestätigen.
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