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Holzarten
Fichtenpellets
Die Fichte ist eine der Hauptbaumarten Mitteleuropas und ein häufiger Pelletrohstoff in Tschechien, Österreich und Deutschland. Ihr Holz hat gute Brennstoffeigenschaften – über die Qualität konkreter Pellets entscheidet aber etwas anderes als der Name der Holzart.
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Fichte als Rohstoff
Die Gemeine Fichte ist ein Nadelbaum, der in vielen Ländern Mitteleuropas jahrzehntelang die wichtigste Wirtschaftsbaumart war. Ihr Holz gelangt in großen Mengen in die Sägewerke, und Fichtensäge- und -hobelspäne sind der naheliegende Rohstoff für die Pelletproduzenten der Region. Fichtenpellets sind daher meist Pellets aus Reststoffen der Holzindustrie – in der Klassifizierung nach ISO 17225-1 Gruppe 1.2.1 – oder aus Stammholz (1.1.3). Beide Gruppen sind in der höchsten Klasse ENplus A1 zugelassen[1].
Gleich vorweg, was „Fichtenpellets“ nicht bedeutet: Es ist weder eine Qualitätsklasse noch ein Zertifikat. Die Holzart gehört nicht zu den Pflichtangaben auf einem ENplus-Sack[2], die Bezeichnung „Fichte“ ist also eine Handelsangabe des Herstellers oder Verkäufers.
Was die Daten zeigen
Die am besten dokumentierten Daten zu Fichtenholz in den Quellen, auf die sich diese Website stützt, stammen aus einer finnischen VTT-Studie. Unten stellen wir sie den Anforderungen von ENplus A1 gegenüber.
| Eigenschaft | Fichte (VTT) | ENplus A1 |
|---|---|---|
| Heizwert Stammholz, wasserfrei | 19,05 MJ/kg | — |
| Heizwert bei 8 % Wassergehalt (Berechnung) | ca. 17,33 MJ/kg | ≥ 16,5 MJ/kg |
| Stickstoff, wasserfrei | ca. 0,05 % | ≤ 0,3 % |
| Asche der Fichtenrinde, wasserfrei | 2,34–2,80 % | ≤ 0,70 % (ganzes Pellet) |
| Ascheerweichungstemperatur der Fichtenrinde | 1405 °C | ≥ 1200 °C (ganzes Pellet) |
Die VTT-Daten betreffen Holz und Rinde, nicht bestimmte Pellets[44]. Der Wert im Anlieferungszustand ist eine redaktionelle Berechnung mit der vom VTT angegebenen Formel (Umrechnung aus dem wasserfreien Zustand bei 8 % Wassergehalt). Grenzwerte nach ENplus ST 1001[1].
Die Schlussfolgerung ist einfach: Sauberes Fichtenholz ist ein guter Rohstoff. Das VTT gibt an, dass entrindetes Stammholz meist 0,3–0,7 % Asche enthält und dass der höhere Heizwert von Nadelholz auf den Gehalt an Lignin und Harzen zurückgeht[44]. Fichtenrinde enthält jedoch ein Mehrfaches an Asche im Vergleich zum Holz – deshalb entscheidet über das Ergebnis konkreter Pellets vor allem, wie viel Rinde in den Rohstoff gelangt ist. Der typische Bereich für Nadelholzrinde liegt laut FAO bei 2–6 %[45].
Der Heizwert der Fichte liegt in den VTT-Daten etwas unter dem der Kiefer (19,31 MJ/kg) und etwas über dem der Birke (ca. 18,6–18,7 MJ/kg)[44]. Unterschiede von 1–4 % sind kleiner als der Effekt einiger Prozentpunkte Wassergehalt. Das zeigen wir im Beitrag über Unterschiede bei der Verbrennung und auf der Seite Heizwert.
Woher das Fichtenholz stammt
Der Fichtenanteil in den Wäldern der Region ist hoch, geht aber in vielen Ländern deutlich zurück:
- Tschechien – die Fichte nimmt 40,3 % der Wälder ein (zuvor 42,9 %)[51].
- Österreich – ca. 49 % des Ertragswaldes, gegenüber über 56 % in den Jahren 1986–1990[58].
- Deutschland – 21 % der Waldfläche; seit der Inventur von 2012 ist die Fläche der Fichtenbestände durch Stürme, die Dürrejahre 2018–2021 und den Borkenkäfer um 17 % zurückgegangen[57].
- Slowakei – 20,9 % der Wälder; der Nadelholzanteil sinkt, vor allem wegen Schäden in Fichtenbeständen[50].
- Lettland und Estland – die Fichte dominiert auf 19 % bzw. 18,2 % der Bestandesfläche[54],[55].
Mehr zu den einzelnen Ländern auf den Seiten Tschechien, Deutschland und Österreich, Slowakei sowie Baltikum.
Käferholz – ein Problem?
In den letzten Jahren haben die Fichtenwälder Mitteleuropas unter Dürre und Borkenkäfer-Massenvermehrungen (Insekten (vor allem der Buchdrucker), die geschwächte Fichten unter der Rinde besiedeln. Massenvermehrungen erzwingen Sanitärhiebe in großem Umfang.) gelitten. In Tschechien stieg der gesamte Holzeinschlag von 16,16 Mio. m³ im Jahr 2015 auf 35,75 Mio. m³ im Jahr 2020, davon 34,49 Mio. m³ Nadelholz. 2024 lag der Einschlag bei 17,80 Mio. m³, davon ca. 45 % Zwangsnutzungen; biotische Schäden – fast ausschließlich Borkenkäfer an Fichte – machten 2,4 Mio. m³ aus[51]. In der Slowakei beschädigten Insekten 2024 3,54 Mio. m³ Holz[50].
Bedeutet das schlechtere Pellets? Nicht unbedingt. Eine vom Borkenkäfer befallene, rechtzeitig eingeschlagene Fichte ist immer noch Stammholz. ENplus schließt Holz aus Sanitärhieben nicht aus – ausgeschlossen ist dagegen Rohstoff, der morsch, verunreinigt oder stark rindenhaltig ist[1]. Ein Risiko entsteht also dann, wenn das Holz lange im Wald stand und sich zu zersetzen begann, wenn es ohne Entrindung verarbeitet wird oder wenn es bei Einschlag und Lagerung Sand und Erde aufnimmt.
Wie Sie Fichtenpellets prüfen
- Asche. Der beste Indikator für Rindenanteil und Verunreinigungen. Für A1 liegt der Grenzwert bei 0,70 % (wasserfrei)[1] – mehr auf der Seite Asche.
- Ascheerweichungstemperatur. Zeigt das Verschlackungsrisiko; A1 verlangt mindestens 1200 °C[1]. Siehe Ascheschmelztemperatur.
- Mechanische Festigkeit und Feinanteil. Hängen vom Prozess ab, nicht von der Holzart – siehe mechanische Festigkeit.
- Zertifikat. Prüfen Sie es in der ENplus-Datenbank, nicht anhand einer Kopie des Dokuments – so geht’s.
Häufige Fragen
Sind Fichtenpellets besser als Kiefernpellets?
Anhand der Holzart lässt sich das nicht sagen. In den VTT-Daten ist der Heizwert von wasserfreiem Fichtenholz (19,05 MJ/kg) sogar etwas niedriger als der von Kiefer (19,31 MJ/kg), dieser Unterschied ist aber kleiner als der Einfluss von Wassergehalt, Rinde und Produktionsprozess. Vergleichen Sie die Analyseergebnisse konkreter Chargen.
Sind Pellets aus Käferholz schlechter?
Nicht unbedingt. Holz aus Sanitärhieben ist oft gesundes Stammholz. Das Risiko steigt, wenn sich der Rohstoff zu zersetzen begonnen hat oder mit Rinde verarbeitet wird – ENplus schließt morschen und stark rindenhaltigen Rohstoff aus. Entscheidend sind die Analyseergebnisse, vor allem der Aschegehalt.
Wie erkennt man Fichtenpellets?
Mit bloßem Auge nicht zuverlässig – auch andere Holzarten ergeben helle Pellets. Die Holzart ist auf einem ENplus-Sack keine Pflichtangabe, die Information muss man also beim Hersteller oder Verkäufer einholen.
Quellen und Fußnoten
Vollständige Quellenliste und redaktionelle Grundsätze- [1]
European Pellet Council / Bioenergy Europe, DEPIgenehmigt am 18.06.2025, gültig ab 01.01.2026Zertifizierungssystemabgerufen am 11.9.2026
Anhang A, Tabelle 4 (Grenzwerte) und Tabelle 5 (Rohstoffe). Die Grenzwerte sind identisch mit der 1. Ausgabe; geändert wurde die Methode zur Bestimmung des Feinanteils (jetzt ISO 5370).
- [2]
European Pellet Council / Bioenergy Europe, DEPIgültig ab 01.01.2026Zertifizierungssystemabgerufen am 11.9.2026
Abschnitt 7.2.3, Tabelle 3 – Pflichtangaben auf dem Sack.
- [44]
VTT Technical Research Centre of Finland2016Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026
- [45]
Krajnc N., Wood Fuels Handbook (öffnet in einem neuen Tab)
FAO2015Wissenschaftliche Quelleabgerufen am 11.9.2026
Tabelle 10 – typische Werte nach CEN/TS 14961:2010.
- [50]
Správa o lesnom hospodárstve v SR za rok 2024 (Zelená správa) (öffnet in einem neuen Tab)
MPRV SR / Národné lesnícke centrumangenommen am 01.10.2025Öffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
- [51]
Zpráva o stavu lesa a lesního hospodářství ČR v roce 2024 (öffnet in einem neuen Tab)
Ministerstvo zemědělství ČRÖffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
- [54]
Latvian Forest Sector in Facts & Figures 2023 (öffnet in einem neuen Tab)
Landwirtschaftsministerium LettlandsÖffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
- [55]
Distribution and protection of forests (statistische Waldinventur 2023) (öffnet in einem neuen Tab)
Keskkonnaagentuur / LoodusveebÖffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
- [57]
BMEL / Thünen-Institut10.2024Öffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
- [58]
Österreichische Waldinventur — Ergebnisse (Pressemitteilung) (öffnet in einem neuen Tab)
BFW — Bundesforschungszentrum für Wald20.07.2022Öffentliche Datenabgerufen am 11.9.2026
Die Inhalte sind eine redaktionelle Aufbereitung der genannten Dokumente. Grenzwerte sollten Sie stets anhand der aktuellen Ausgabe der Norm bzw. des Dokuments des Zertifizierungssystems bestätigen.
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